Wie alles begann...




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Luna (1 Monat alt)
chanting


Geprägt von "Fury" und "Blitz, dem schwarzen Hengst" hatte ich mir als Kind jedes Jahr wieder zum Geburtstag ein Pferd gewünscht. Und habe jedes Jahr wieder am Vorabend meines Geburtstages gehofft, dass, wenn ich am nächsten Morgen aufstehe, ein schwarzes Pferd an unserem Kirschbaum angebunden steht. Meine Eltern haben natürlich 1001 Gründe gefunden, dies nicht zu tun. So wurde stattdessen jedes Pferderassenbuch zu meiner persönlichen Bibel. Daher waren mir schon früh damals noch exotische Rassen wie Quarter, Knabstrupper, Budjonnys oder eben Morgans bekannt. Aber vergessen habe ich diesen Traum bis heute nicht. Nur, dass es inzwischen nicht mehr ein Rappe sein sollte, sondern ein Buckskin, ein Dun oder ein Palomino. Anfang der 80er Jahre bekam ich dann mein erstes eigenes Morgan: Ein kleiner schwarzer Hengst mit Keilstern und vier weißen Füßen. Einfach süß, der Kleine. Und er ist heute noch bei mir und schaut mich gerade aus meinem Regal an! Denn leider ist er nicht lebendig, sondern lediglich ein Modelpferd der Firma Breyer in Traditional-Größe.

morgan

Nachdem ich bereits in Kindertagen fleißig auf Schulpferden unterwegs war, tat sich dann ab der Pubertät in Sachen "Pferde" ganz lange gar nichts mehr. Beruf und Familie nahmen mich einfach zu sehr in Anspruch. Mit Mitte dreißig packte mich vor knapp 10 Jahren das "Pferdefieber" erneut. Diesmal sattelte ich jedoch die Schulpferde nicht englisch sondern western und lernte diese Art des Reitens schätzen und lieben. Doch dieses "Reiterdasein" mit lauter fremden Pferden fand ich auf Dauer wenig befriedigend. Denn mir liegt weniger am Reiten an sich, dafür mehr der Umgang mit dem Partner Pferd am Herzen.

Vor vier Jahren fing ich daher an, mich nach einem eigenen Pferd umzuschauen. Eine Stute sollte es sein, gut geritten, genügsam, geländeerfahren und mit Sonderlackierung. Aufgrund der großen Auswahl sollte es ursprünglich ein Quarter oder Paint sein. Doch nichts gefiel mir wirklich. Und mit der Zeit merkte ich, dass mir das Interieur dieser Rassen nicht gefiel. Ich wollte mehr als ein allzeit geduldiges, alles über sich ergehen lassendes Tier ohne wirklichen Pep. Ich wollte einen Partner, der mit mir kommuniziert, der mir auch antwortet, nicht nur gehorcht. Viele Rassen zog ich nun in Erwägung, verwarf sie aber alle wieder aus diesem oder jenem Grund.

Beeindruckt war in von der Abschlussvorstellung der Reiterspiele in Aachen 2006. Erst Monate später fand ich heraus, dass dieses Pferd ein Morgan war. Daraufhin machte ich mich auf die Suche im Internet, stöberte immer mal wieder auf den diversen Sites, war aber völlig unentschlossen, ob ein Morgan überhaupt das richtige Pferd für mich wäre. Denn ich bezeichne mich auch heute noch, trotz aller Schulpferd-Erfahrungen, nicht als wirklich pferdeerfahren. Im Frühjahr 2008 fuhr ich dann zur Messe HANSE-Pferd nach Hamburg. Und hier habe ich dann meinen ersten richtigen Morgan gesehen und angefasst. Ausgerechnet der am nördlichsten gelegene Züchter von Morgans, Manfred Maas, war mit seinem Deckhengst angereist. Schon nach kurzer Zeit machte er mir das Angebot, mit in die Box zu kommen und seinen Leroy Brown anzuschauen und zu -fassen. Dieser war zu diesem Zeitpunkt sehr aufgeregt und rannte in seiner Box hin und her. Denn zum einen war da natürlich der Messerummel, zum anderen musste "seine" Stute zuhause bleiben, da sie kurz vor dem Abfohlen stand. Ich hatte also entsprechende Bedenken. Er hat sie jedoch als unnötig abgetan und so bin ich mit in die Box rein. Nichts war ein Problem. Leroy ließ sich überall anfassen und war kein bisschen aggressiv. Ich war unendlich beeindruckt.

Im Herbst desselben Jahres war ich mit meiner Familie in Kalifornien und haben die Farm von Brent und Jo Johnsen (http://www.jafmorganstockhorses.com/) besichtigt. Mein Mann, begeisterter Motorradfahrer und absolut skeptisch Pferden gegenüber, musste als Dolmetscher herhalten und mit auf die Paddocks. Meine Erfahrung, die ich mit Leroy gemacht hatte, bestätigte sich erneut. Und auch mein Mann war total von den Morgans beeindruckt. Obwohl wir mitten in diversen Fohlen- und Jungpferdegruppen standen, wurde keines jemals wirklich aufdringlich oder versuchte uns irgendwie anzuknabbern, umzurennen oder sonst wie zu schaden

Im Januar 2009 besuchte ich meine alte Heimat Hamburg erneut und nutzte die Gelegenheit, um beim ältesten Zuchtbetrieb in Deutschland vorbei zu schauen. Total freundlich und nett war Susen Fischer zu mir, als ich ihr den ganzen Nachmittag mit meinen Fragen in den Ohren lag. Auch hat sie mir selbstverständlich alle ihre Pferde gezeigt. Eine Fahrt bei Eis und Schnee im März nach Thüringen zum größten MH-Gestüt Deutschlands mit vorwiegend western gezogenen Pferden folgte. Eine zweijährige Buckskinstute stand dort zum Verkauf. Sehr nett und hübsch, aber mein Bauch sagte mir, dass dies nicht mein Pferd sein wird.

Im Juni führte mich mein Weg dann nach Belgien zu Diana Jasica vom Gestüt offborderhill, um mir eine wunderschöne zwölfjährige Palomino-Stute anzuschauen sowie ein Stutfohlen, Luna, das zu diesem Zeitpunkt ungefähr 7 Wochen alt war. Aber eigentlich zog ich ein Fohlen gar nicht wirklich in Betracht, war mir doch aus diversen Richtungen aufgrund meiner fehlenden Erfahrungen mit eigenen Pferden davon abgeraten worden. Luna hatte noch ihr fast weißes Babyfell, jedoch mit dunkler Mähne und Schweif, ein wunderschöner Buttermilk Buckskin. Im Gegensatz zu ihrem gleichaltrigen Kumpel Roy war sie eigentlich überhaupt nicht neugierig, sondern eher zurückhaltend. Eigentlich eher morgan-untypisch. Trotzdem sagte mir meine innere Stimme: "das ist sie!". Aus den o.g. Gründen und da sie jedoch schon so gut wie verkauft war, machte ich innerlich einen Haken an die Sache und beschloss, wenn auch bedauernd, sie zu vergessen. Doch es sollte ganz anders kommen: Die potentielle Käuferin sah aus persönlichen Gründen vom Kauf ab und Diana bot mir Luna dann zum Kauf an. Ich dachte an einen Wink des Schicksals und fuhr zwei Wochen später erneut zu ihr hin und unterschrieb den Kaufvertrag für Luna, Bedenken wegen ihres Alters hin oder her.

Seit dem 1. November lebt Luna nun in einer kleinen Herde mit gleichaltrigen Stut- und Hengstfohlen auf einer Offenstallanlage ca. 20 km von mir entfernt. Ich fahre mehrmals in der Woche zu ihr hin. Inzwischen haben wir uns aneinander gewöhnt und sie kommt häufig zu mir, um sich kraulen zu lassen, sowie ich den Paddock betrete. Zum halftern hält sie von ganz allein ihren Kopf hin. Sie ist sehr gelehrig und lernt schnell. Jedoch nur so lange, wie sie Lust hat. Sie kann schon wesentlich mehr als die anderen Fohlen. Jeder auf dem Hof ist erstaunt, wie gut sie sich, in der Regel, benimmt. Sie hat jedoch auch absolut ihren eigenen Kopf, den sie auch des Öfteren versucht durchzusetzen. Aus diesem Grund nehmen Luna und ich Trainingsstunden bei einer Natural Horseman-Trainerin. Sie unterstützt mich und zeigt mir gute Wege auf, um mit Luna fein arbeiten und kommunizieren zu können.

Mit und durch Luna zu lernen, was es bedeutet, ein eigenes Pferd aufwachsen zu sehen und zu erziehen ist eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Sie entschädigt durchaus für die Zeit, in der man zwar noch nicht reiten, aber dafür viele andere Dinge schon mit seinem Pferd machen kann. Und darum kann ich nur jedem raten, der es auch versuchen möchte: trau dich, es lohnt sich! Und an dieser Stelle ein ganz dickes Dankeschön an Stefanie! Ohne ihre website, die ihre Erfahrungen mit Finn schildert, hätte ich mich wohl nicht getraut und mir kein Fohlen gekauft.

In meinen Fantasien aus Kindertagen war ich nie die erfolgreiche Turnierreiterin, sondern immer das Indianermädchen, das sich auf dem blanken Pferderücken nur durch ihre Gedanken und vielleicht noch über einen dünnen Lederriemen mit ihrem Pferd verständigt. Und ich denke, dass mein Morgan, genauso wie wohl die meisten anderen, genau die Art von Pferd ist, mit dem man dieser Vorstellung wohl am nächsten kommt!

Kirsten Schlage
Abreise



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